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Machu Picchu – eine der bekanntesten Touristen-Attraktionen und (meiner Meinung nach) die größte Touristen-Abzocke in Südamerika stand auch auf meiner Liste… Ihr bekommt von mir natürlich die typischen Bilder geliefert, aber wenn ihr nicht auch die Kehrseite und (m)einen kritischen Blick auf die gesamte Szenerie werfen wollt, lest ihr besser nicht weiter, sondern kuckt euch nur die Fotos an ;-).

Benannt wurde die Anlage nach dem „alten Berg“ (auf Quechua „Machu Picchu“), der sich in unmittelbarer Nähe befindet, sie wurde etwa 1450 erbaut, aber erst 1911 (wieder-) entdeckt. Man weiß immer noch nicht genau, als was es erbaut wurde, aber einigen wir uns auf eine Stadt, in der bis zu 1000 Menschen leben konnten. Es gibt Tempel, Häuser und Treppen und Wege, die das ganze verbinden, inmitten einer Umgebung von vielen Bergen, unter anderem dem „Machu Picchu“ und dem „Huayna Picchu“ (junger Berg), die man auch beide mit einem Zusatzticket besteigen kann. Der Berg, den man meist im Hintergrund auf den Bildern sieht, ist übrigens „Huayna Picchu“. Soweit die Fakten…

Wer nach Cusco kommt, will normalerweise auch Machu Picchu sehen, entsprechend versuchen alle, aber wirklich alle, ihren Vorteil aus den Touristen zu ziehen (menschlich, das ist mir bewusst, es ist mir aber bei vielen anderen Attraktionen in anderen Ländern nicht so sehr aufgefallen wie hier, weil sie es meiner Meinung nach übertreiben). Cusco liegt etwa 75 km von Machu Picchu entfernt und man muss irgendwie hinkommen…das Problem: es gibt keine direkte Straße dorthin! Also hat man nur die folgenden Möglichkeiten in den Ausgangsort Machu Picchu Pueblo zu kommen:

  • Die Traditionelle: Der Inkatrail, eine klassischerweise 4tägige Wanderung (es gibt aber auch Varianten für 2 oder 5 Tage), die man mehrere Monate im Voraus für viel Geld buchen muss (ab etwa 500 Euro, nach oben kaum Grenzen), da täglich nur 500 Leute zugelassen werden und es nur mit Führer erlaubt ist, diesen Weg zu gehen.
  • Die Alternative: Der Salkantay-Trail, dauert ebenfalls 4 Tage, kann aber auch kurzfristig gebucht werden und ist mit etwa 240$ inklusive Eintritt zu Machu Picchu einiges günstiger und könnte mit Zelt und Verpflegung sogar auf eigene Faust unternommen werden. Da als ich in Peru war gerade Regenzeit war und ich weder das Equipment noch die Kondition (es geht auf fast 5000m hoch) für diese Tour hatte, war das auch keine wirkliche Alternative für mich
  • Der Klassiker oder „Lazy-Person-Version“: Mit dem Zug nach Machu Picchu Pueblo (auch bekannt als Aguas Calientes) – dann kostet die Tour inklusive Eintritt auch etwa 230 $ für 2 Tage, die Zugfahrt dauert allerdings nur jeweils 2 Stunden, weitere 1-2 Stunden fährt man mit dem Bus.
  • Die Sparversion – „Machu Picchu by Car“: Man kann diese Tour entweder auch als Paket buchen oder (wie ich es gemacht habe) selbst zusammenstellen. Das einfachste, schnellste und wie ich im Nachhinein festgestellt habe auch preisgünstigste) ist einfach nur die Fahrt in einem Minivan zu buchen (gab es für 60 Soles hin und zurück, also etwa 18$), diese dauert allerdings etwa 6-7 Stunden auf kurvigen und zum Teil unbefestigten Straßen. Leider führt die Straße wie gesagt nicht direkt nach Machu Picchu Pueblo, sondern nur bis Hidroelectrica (einem Wasserkraftwerk), von wo aus entweder ein völlig überteuerter Zug fährt (für Touristen 28$ für 10-12 km) oder man für etwa 2,5 Stunden an an der Bahnlinie entlang  läuft.

Wenn man dann in Machu Picchu Pueblo angekommen ist, stellt man sich am besten den Wecker auf 4:30 Uhr und um 5 Uhr morgens an der Bushaltestelle an, um den ersten Bus um 5:30 Uhr zum Eingang zu nehmen (kostet 12$ für ca 10-15 Minuten Fahrt) oder man läuft um 4 Uhr los und kommt völlig erschöpft am Eingang an, wie es die richtigen Sparfüchse gemacht haben oder die, die vorher nicht wussten, wie steil der Weg ist – ich bin ihn nach meinem Besuch am Nachmittag hinunter gelaufen und hatte danach weiche Oberschenkel und Knieschmerzen…

Soweit die Möglichkeiten dorthin zu kommen…nun dazu was mich maßlos stört:

  • Es werden täglich bis zu 2500 Tickets für Machu Picchu verkauft, die Anlage ist um die Mittagszeit extrem voll – die UNESCO versucht seit Jahren, die Verantwortlichen in Peru davon zu überzeugen, dass, um die Anlage in einem guten Zustand zu erhalten, maximal 800 Menschen täglich Zutritt haben dürften – Fehlanzeige – wäre ja eine zu große finanzielle Einbuße
  • Der Zug kostet je nach Uhrzeit zwischen 60$ und über 100$ für 2 Stunden oder etwa 30 km Fahrt (den Rest fährt man mit dem Bus) – Einheimische zahlen 4 bzw. 10 Soles (etwa 2-3 $) für diese Strecke

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Ich habe wirklich kein Problem damit, als Tourist mehr zu zahlen als Einheimische, aber das ist meiner Meinung nach maßlose Abzocke, weil es wenig Alternativen gibt…nicht einmal in Japan, Australien oder Deutschland werden auch nur annähernd solche Zugpreise aufgerufen

  • Der Eintritt kostet derzeit 128 Soles (etwa 38$), für Studenten und Bewohner von Peru, Ecuador und Bolivien die Hälfte – das finde ich zwar auch sehr viel in einem Land mit einem Durchschnitts-Monats-Bruttoeinkommen von etwa 450$, kann ich aber noch am ehesten verstehen – ich hoffe immerhin, dass ein Teil der Einnahmen dazu verwendet werden, die Anlage zu erhalten… Wer den Machu Picchu Mountain oder den Huayna Picchu besteigen will, braucht ein Zusatzticket, was nochmal 5 bzw. 7$ kostet.
  • Offiziell verboten in der Anlage laut Aushang sind unter anderem (das finde ich gut):
    • Wanderstöcke
    • Essen
    • Trinken (außer Wasser)
    • Rucksäcke über 20l

aber es wird kaum kontrolliert, und am Eingang noch nicht einmal in den Rucksack hineingeschaut (soviel zum Thema Sicherheit)

Ich bin übrigens nicht die einzige, die das Thema kritisch sieht (den Artikel habe ich aber erst gerade eben gefunden und gelesen, will ihn euch aber nicht vorenthalten)

http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/machu-picchu-dem-ansturm-der-touristen-nicht-gewachsen-a-963951.html

Soooo, das war ein langer Text, aber das musste ich einfach los werden. Zweifellos ist Machu Picchu ein wunderschöner Fleck Erde – hauptsächlich durch die Berge drumherum und die tolle Lage und vor allem im Morgengrauen (also alles “Nicht-Von-Menschen-Gemachte” ;-)) – ich bin allerdings auch kein wahnsinnig leidenschaftlicher “Steine-Schauer” muss ich gestehen. Und ich hoffe, dass  trotz nahezu unbegrenztem Besucheransturm aufgrund menschlicher Geldgier dieser Ort noch lange gut erhalten bleiben wird.

Jetzt aber zu den Bildern (wie ihr seht – ich hatte trotz Regenzeit ein paar schöne Sonnenstunden):

Auf dem Weg nach Machu Picchu Pueblo – der Spaziergang an der Bahnlinie:

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Machu Picchu Pueblo:

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Der Andrang vor der Anlage um 6 Uhr morgens:

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Noch etwas wolkenverhangen am Morgen:

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Hier noch ein paar Bilder in der Anlage selbst:

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Die Inka-Brücke hier hat mir sehr gut gefallen – bis vor ein paar Jahren jemand heruntergestürzt ist, konnte man sie sogar noch begehen.

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Die Menschenmassen in der Anlage um die Mittagszeit sehen übrigens so aus….ich habe mich dann einfach auf den Rückweg nach Machu Picchu Pueblo gemacht, war auch gut so, weil kaum bin ich dort angekommen, gab es heftige Regenfälle und Gewitter.

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