Vom Inle See aus habe ich wieder den Nachtbus genommen – diesmal nach Mandalay. Diese Nachtbusse sind eigentlich eine wirklich gute Sache – in Myanmar sind sie meistens sehr komfortabel (2+1 Sitze), man spart sich eine Übernachtung und kommt früh morgens zwar mit akutem Schlafmangel am Ziel an, aber hat den ganzen Tag noch vor sich.

In Mandalay lag der Busbahnhof wie etwas außerhalb, also hab ich ein Motorradtaxi genommen. Der junge Fahrer (18 war er) war supernett und hat die ganze Fahrt über mit mir geschnackt, um mir dann am Hotel angekommen (es war morgens um 5:30 Uhr!!!) eine sehr ausführliche Verkaufsveranstaltung vorzuführen, nämlich wo er mich in einer der nächsten Tage überall hin fahren würde: Amarapura, Inwa, Sagain – ich (im Stehen schlafend, nur noch im Hotel einchecken wollend und entsprechend quengelig) hab ihn dann irgendwann einfach abgewürgt und gesagt, dass ich jetzt nur noch ins Bett will und ich auch keinen ganzen Tag auf einem Motorroller verbringen will…. Zum Glück konnte ich schon in mein Zimmer und noch 2-3 Stunden schlafen, war also um 9 Uhr fit und bereit zum Stadtrundgang….

Leider ist Mandalay selbst nicht so schön und an jeder Ecke stehen „Transport-Taxi-Typen“, die ihre Dienste anbieten (im Vergleich zu Indonesien, speziell Lombok allerdings eher harmlos). Mein erstes Ziel war der Bahnhof, da ich 2 Tage später nach Hsipaw mit dem Zug fahren wollte. Dort hat mir der nette Mann erklärt, ich solle am nächsten Tag wieder kommen, da Tickets immer erst 1 Tag vorher gekauft werden können – ok, kein Problem, also weiter – um den Palast gelaufen und zum Sonnenuntergang auf den Mandalay Hill.

 

 

Am nächsten Tag habe ich ein Fahrrad gemietet, um damit zum Sonnenaufgang an der U-Bein-Brücke (der längsten Teakholz-Brücke der Welt, ca 1,2 km lang) zu sein, also Wecker auf 4:30 Uhr gestellt und um 5 Uhr losgefahren. Leider hat google-maps nix von dem Stau auf der 86sten Straße gesagt, der durch diverse Marktstände hervorgerufen wird, da der Handel bereits in vollem Gange ist, aber immerhin konnte ich mir so noch Proviant in Form von Bananen besorgen ;-)

Die nächste Straße – die nächste Feier – eine Bühne mit einer Tanzgruppe (zur Erinnerung – es war mittlerweile 5:15 Uhr morgens)

Habe es dann zwar knapp aber doch noch zum Sonnenaufgang nach Amarapura geschafft ;-)

Als ich dann so über die Brücke lief und wie wild fotografiert habe (wieder sehr idyllisch, ich konnte also gar nicht anders) traf ich auf zwei Mönche des naheliegenden Klosters. Der eine hat mich angesprochen und gefragt, woher ich komme, worauf ich ihn das gleiche gefragt habe – Antwort „Cologne“ (Fragezeichen in meinen Augen, ob ich das jetzt auch richtig verstanden habe) und wie er heiße „Lukas Podolski“ – aaaaahhhhh ja, ich habe es hier also mit einem Mönch der Kategorie „Scherzkeks“ und „Fußballfan“ zu tun, aber mich wundert in dem Land sowieso nichts mehr wirklich ;-)).

Wir haben uns dann sehr lange unterhalten (über den FC Bayern und seine Spieler, Mönchsroben, das Leben im Kloster, warum so viele Mönche sehr gute Smartphones und iPads haben, Facebook, Angela Merkel, Aung San Suu Kyi usw.) und die beiden Mönche (der andere war eher der Philosoph und sprach sehr gut Englisch) haben mir dann die Pagoden auf der anderen Seite des Stegs gezeigt und mich eingeladen, ihr Kloster zu besuchen. 

Dazu muss man sagen, dass in dem Kloster jeden morgen um 10:30 Uhr das Mittagessen der Mönche stattfindet, bei dem Touristen zusehen dürfen – also eher so wie im Zoo (Fremde versteckt hinter dicken Kameraobjektiven, die in Nahaufnahme auf die Mönche schießen) – da wollte ich auf keinen Fall dabei sein. Die beiden (bzw. drei da wir zwischenzeitlich noch einen dritten Mönch getroffen haben) haben mir diese Bedenken aber genommen und abseits der Touristenmassen ihr Kloster gezeigt (die Kammer des Gründers, die wichtigsten 10 Regeln für Anfänger-Mönche (später gibt es 227 Regeln), die Küche und sogar die hauseigene kleine Druckerei). Während das Essen startete saßen wir etwas abseits und haben uns gemeinsam darüber ausgelassen, wie unangenehm das für die Mönche sein muss beim Essen beobachtet, angestarrt und fotografiert zu werden. Sie haben aber zum Glück die Möglichkeit, bis 12 Uhr zu essen und ab ca 11 Uhr sind dann die meisten Touristen verschwunden um den nächsten Punkt der Tagestour abzuhaken. 

Ich durfte dann noch dort zu Mittag essen in einem Raum etwas abseits zusammen mit lauter Einheimischen, die mich fotografiert haben, während „Lukas Podolski“ daneben stehend auf mich gewartet hat und gesagt hat ich solle mir ruhig Zeit lassen mit dem Essen (die erste und wichtigste Mönchs-Regel, nämlich dass sie ein gutes Herz haben sollen, haben sie wirklich alle perfekt umgesetzt!!!)

Am Ende haben sie mir noch Tipps gegeben, wie ich mit dem Fahrrad nach Inwa und Sagain komme (hatte ich ursprünglich gar nicht geplant, aber es war ja erst mittags) und so habe ich mich schweren Herzens auf den Weg gemacht nach diesem schönen und unerwartetem Vormittag!

Hier noch ein paar Bilder von Inwa:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Und Sagain:

 

Nach ca 50 km Fahrrad(tor)tour durch die Hitze ohne Gangschaltung bin ich dann am Nachmittag in Mandalay angekommen und habe mich wieder auf dem Weg zum Bahnhof gemacht um mein Ticket für den nächsten Tag zu kaufen… Da sagt der Beamte doch ernsthaft „morgen früh ab 3 Uhr gibts Tickets“ – habe ihm versucht klar zu machen, dass man mir gestern gesagt hat ich bekomme sie heute und dass ich morgen garantiert nicht um 3 Uhr komme in der Hoffnung noch eine Fahrkarte zu bekommen…. Bin dann zu einem anderen Schalter und nach der gleichen Diskussion hatte er ein Erbarmen (hier hilft es scheinbar noch, ein bisschen resoluter zu werden und ich war einfach nur kaputt von dem Tag und bin ja zum zweiten Mal extra zum Bahnhof gefahren)

Übrigens: die Vorfahrtsregeln habe ich immer noch nicht verstanden, es ist aber nicht

  • rechts vor links
  • die größere Straße
  • die Querstraße

Es ist glaube ich einfach so flexibel, dass alle laut hupen und irgendwer fährt und je größer das Fahrzeug und je lauter die Hupe ist desto eher darf derjenige fahren. Als Fahrradfahrer hilft es, sich neben die Roller zu stellen und gemeinsam mit denen loszufahren in Mandalay sind Roller nämlich erlaubt und in rauen Mengen vorhanden.

Am nächsten morgen ging es früh um 4 Uhr im Zug nach Hsipaw, weil die Strecke so schön sein soll (ihr dürft mich also ab sofort „Sheldon“ nennen) – Schlaf habe ich insofern eher wenig bekommen in Mandalay ;-)

Vorbei an Bullen, die ganz entspannt neben der Bahnstrecke liegen und Hütten, in denen Leute schon Reis kochen (früh um 4 (!) Uhr und dann nach viel Geruckel und Geschüttel endlich über das Gotheik-Viadukt gefahren – da kam meine Höhen- und Brückenphobie wieder zum Vorschein – aber als wir auf der Brücke waren sah es schon sehr toll aus und gar nicht mehr schlimm.  

Am Nachmittag bin ich dann in Hsipaw angekommen, aber dazu beim nächsten Mal mehr!