Das mit der perfekten Filmkulisse setzt sich auch in Hsipaw im Nordosten von Myanmar, Richtung Chinesischer Grenze weiter fort – und hier fühle ich mich ab und zu wie eine Requisite, die nicht dazu passt, ähnlich wie ein Smartphone in einem Film, der in den 80er Jahren spielt… 

Manchmal auch wie ein dauernd staunender und sich wundernder Zuschauer des Lebens hier. Es ist alles so idyllisch und ich habe einfach ein schlechtes Gefühl, einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass sich hier vieles verändern wird. Mir ist klar, dass ich es nicht aufhalten kann, dass sich Myanmar nach dem langen Militärregime öffnet und entsprechend die Touristen einströmen, aber wenn ich sehe wie glücklich und freundlich die Menschen trotz Armut und sehr einfachem Leben sind, habe ich Angst, dass sich das mit den Touristen ändern wird und jeder einen Teil des (Geld-) Kuchens abhaben möchte. Sind meine Gedanken einfach typisch Deutsch? Oder typisch Diana? Oder einfach nur typisch doof, weil sie mir die Leichtigkeit der Erlebnisse und den Spaß nehmen und sowieso sinnlos sind?

Die Familien hier fahren auf dem Roller zum Fluss um sich selbst und die Wäsche zu waschen, weil viele Häuser noch kein fließendes Wasser haben, Kinder laufen mit einem Stock hinter rollenden Reifen her, klettern auf Bäume und winken mit größtem Vergnügen den Leuten im Zug zu, der einmal am Tag vorbei kommt…oder Touristen wie mir….Die Landwirtschaft wird hier immer noch so erledigt wie in Deutschland vor 100 Jahren – mit Ochsenkarren und alles manuell. Ich befinde mich in einem ständigen Gefühlschaos, da ich eine solche Freude, Güte und Herzlichkeit einfach nicht gewohnt bin, weder aus anderen Ländern und schon gar nicht aus Deutschland und von mir selbst. Die Kinder winken mir auf der Straße freudestrahlend zu (oft winke ich zuerst, weil es mir selbst so viel Spaß macht ;-)) und heute hat mir ein kleines Mädchen eine Blüte gepflückt und geschenkt….es ist einfach herrlich und ich hätte so gerne, dass sich die Menschen hier nicht zu sehr verändern! Das mit dem fließendem Wasser und der Landwirtschaft dagegen natürlich schon!

 

So in meine Gedanken versunken bin ich am Nachmittag noch spazieren gewesen, laut selbst gezeichneter Karte aus dem Guesthouse hätte der Weg auf dem ich mich (meiner Meinung nach) befand eigentlich wieder zurück zum Dorf führen müssen. Naja, irgendwie waren der Zeichner und ich wohl nicht wirklich kompatibel und ich habe mir auf einer Straße wiedergefunden, die nach 1 Stunde immer noch nicht Richtung Ort zurückgeführt hat. Da die Sonne langsam untergehen wollte, hab ich einen Feldweg genommen, der sich dann allerdings zu einem trockenen Flusslauf mit Steinen verwandelt hat und letztendlich in einem Reisfeld-Labyrinth geendet hat….und mittendrin ich…weit weg von jeder Zivilisation, anderen Menschen und mit dem Wissen, dass es in 1 Stunde dunkel sein würde…Zurück auf den Weg ging auch nicht mehr, der war ja auch nicht richtig, unbeleuchtet und auch schon wieder zu weit weg….Habe schon ernsthaft Panik bekommen, als auf einmal ein Engel in Gestalt einer älteren Frau mit Strohhut, rosa Bluse und lila Wickelrock aufgetaucht ist…. Wir verstanden uns fast ohne Worte…. Ich: „Mingalabar! Hsipaw?“… Sie: Ein Lächeln und ein Zeichen, dass ich so gedeutet habe, ihr zu folgen. In gebührendem Abstand von ca 5 Metern bin ich dann schweigend hinter meiner Retterin hergelaufen, nur das Quietschen der Flip-Flops war zu hören, da wir immer dem Flusslauf entlang gingen, der zum Teil auch Wasser führte. 

 

Nach einer halben Stunde querfeldein durch die (trotzdem immer noch tolle) Landschaft sind wir dann endlich zu den ersten Häusern gekommen. Sie: „Hsipaw!“ Ich: Mit breitem Dauergrinsen versucht verständlich zu machen, dass sie mich gerettet hat und ich ihr ewig dankbar sein werde. So blieb mir immerhin „Ein Bett im Reisfeld“ erspart…Aber auch das war wieder ein Erlebnis wie im Film!

 

Fazit: 

  1. Am Ende wird immer alles gut (und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende)
  2. Gummi-Flip-Flops sind sehr gute Wanderschuhe, vor allem wenn es auch durch Wasser geht. 
  3. Ich weiß jetzt wie Reispflanzen von nahem aussehen, nämlich so: 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Am nächsten Tag bei dem Versuch, den Weg zum Wasserfall zu finden, hatte ich wieder ein ähnliches Erlebnis, nur diesmal kam die Rettung in Form eines Jugendlichen auf einer Motocross-Maschine und da ich völlig verkehrt war, hat er mich kurzerhand zum Startpunkt gefahren und von dort aus gab es nur noch den einen Weg! Bin dann nach einer Stunde Fußweg glücklich zur Abkühlung in den Wasserfall-See gesprungen!