Kurz nach Weihnachten habe ich mich von der schönen Insel Koh Ta Kiev verabschiedet, da ich sonst wohl so schnell nicht mehr von dort weggekommen wäre aufgrund chronisch werdender Trägheit ;-). 

 

Die Reise ging erstmal in die Hauptstadt Phnom Penh. Was es darüber zu sagen gibt? Hierzu muss ich leider von dem traurigsten Teil der kambodschanischen Geschichte erzählen, die die älteren von euch in den 70er Jahren vielleicht noch direkt mitbekommen haben – die Herrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot… Die Bewohner der Stadt wurden 1975 aufs Land vertrieben, bis zum Niedergang dieser Regierung 1979 war es eine Geisterstadt – heute kaum mehr vorzustellen, da Phnom Penh wie so viele andere Südostasiatische Städte  wieder groß, laut, anstrengend und nicht ganz ungefährlich ist. Was in ganz Kambodscha auffällt ist das sehr junge Durchschnittsalter, was damit zusammenhängt, dass ca 2 Millionen Menschen unter Pol Pot getötet wurden bzw. an Unterernährung und Infektionen starben. 

 

Ein besonders erschütterndes Erlebnis war der Besuch des (Folter-)Gefängnisses Tuol Sleng  (Deckname S-21), eine ehemalige Schule, die zu einem Museum umgebaut worden ist. Allein hier wurden in den knapp 4 Jahren  insgesamt ca 16.000 Menschen eingesperrt (etwa 1600 gleichzeitig), so lange gefoltert, bis das gewünschte „Geständnis“ vorlag und entweder direkt vor Ort ermordet oder zu den „Killing Fields“ etwas außerhalb von Phnom Penh gebracht. Da Kambodschaner eher wenig zimperlich sind, wird das in dem Museum auf Bildern und mit den Original-Geräten sehr anschaulich gezeigt. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Sehr zu empfehlen zu diesem Thema ist übrigens der Film  “The Killing Fields” aus den 80er Jahren nach einer wahren Geschichte und ich lese gerade den wunderschön geschriebenen autobiographischen Roman “Under the Shadow of the Banyan”. 

 
 

Der Verkehr ist auch sehr besonders in Phnom Penh – ähnlich wie in Mandalay gibt es keine Vorfahrtsregeln, jeder fährt unter Dauer-Hupen wann er will und als Fußgänger versucht man sich durchzuschlängeln, was komischerweise funktioniert: 

 
Eigentlich gilt Rechtsverkehr – eigentlich – da Motorroller auch gerne mal so lange links fahren bis sich eine Lücke ergibt oder den Gehsteig zum Fahren oder Parken benutzen. Als Fußgänger hat man sowieso kaum eine Daseinsberechtigung, außer als ständiger Ansprechpartner für die am Straßenrand stehenden Tuktuk- und Motortaxi-Fahrer zu sein. Es gibt kaum Fußgängerampeln und wenn fahren bei grün trotzdem noch Roller kreuz und quer in Kamikaze-Manier herum. Allerdings glaube ich, das war ein gutes Training für Ho Chi Minh Stadt und Hanoi, weil es da noch viel schlimmer zugehen soll. 
 
 

Neben den Tuktukfahrern, die erstmal versuchen einen besonders hohen Preis anzusetzen (besonders dreist war einer, der für eine Strecke von 1,5 km mit 5 Dollar in die Verhandlung gestartet ist – ein fairer Endpreis wären 1-1,5 Dollar gewesen) habe ich auch selten so kreative bzw. dreiste Methoden des Bettelns erlebt. Ein Mann hat sich als Mönch verkleidet und wollte damit irgendetwas an Touristen verkaufen (dass er kein echter Mönch war konnte man unter anderem auch daran zu erkennen, dass er Frauen berührt hat, was ein Mönch niemals tun würde). Am Flussufer hat ein Mann in der größten Mittagshitze einen sichtbar Kranken auf einer Bahre herumgeschoben, um  Geld zu sammeln und ganz oft wurde ich auch von kleinen Kindern, Müttern mit Babys und älteren Leuten mit Nachdruck um Geld gebeten. Tragisch das alles, vor allem weil die Unterschiede innerhalb der Bevölkerung so groß sind – es fahren in Phnom Penh nämlich auch sehr viele Luxus-Autos herum und es gibt jede Menge hochpreisiger Restaurants und Geschäfte (nicht nur für Touristen). 

 

Von meinem Erlebnis an der Grenze mit den korrupten Grenzbeamten habe ich auch noch gar nicht geschrieben – ich bin mir sicher, dass er und alle seine Kollegen es sicherlich rein finanziell nicht nötig hätten, aber das folgende passiert täglich an der Grenze in der Nähe von Trat in Thailand nach Koh Kong allen ausländischen Touristen, die kein e-Visum haben: Statt der offiziellen 30 Dollar Visa-Gebühr (wurde erst am 1. Oktober 2014 von der Regierung angehoben, vorher waren es nur 20 Dollar) verlangen die kambodschanischen Grenzbeamten 1500 Baht (Thailändische Währung, was schonmal völlig untypisch ist) und das sind dann auf einmal fast 40 Euro, also 50 Dollar. Wer die Differenz einsteckt ist auch klar. 

Als ich ihm meine 30 Dollar hingelegt habe, meinte er nur „1500 Baht“ – ich daraufhin „no – 30 Dollars“ das Spiel ging so ein paarmal hin und her bis er sagte „you can wait outside“ – ich „for what?“ – dann hat er geschwiegen, aber es war klar, dass er sich auf keinen Deal einlassen wird…. Leider war ich in der Situation wohl nicht clever genug, ihm nach einer Quittung zu fragen oder die Touristenpolizei aufzusuchen (wobei es die dort an der Grenze wohl gar nicht gab und wenn dann hätten sie bestimmt unter einer Decke gesteckt und es hätte mir auch nicht geholfen). Auf mein Mail, das ich später an die offizielle Stelle geschrieben habe, kam natürlich auch bisher keine Antwort, wie so oft in Asien (ich habe bisher 4 verschiedene Mails in unterschiedlichen Ländern an Firmen bzw. offizielle Stellen geschrieben und 0 Antworten bekommen – tolle Quote). Das Problem an dieser Grenze besteht schon seit langem und ist bekannt, habe ich in dem danach erworbenen Loose-Reiseführer gelesen und trotzdem tut niemand etwas dagegen…. (Tipp: e-Visum besorgen für 30 Dollar + 7 Dollar Bearbeitungsgebühr, einen anderen Grenzübergang benutzen oder einfliegen) 

 

Leider bin ich aufgrund dieser negativen Erfahrung gleich zu Beginn dem Land gegenüber von Anfang an etwas kritischer eingestellt gewesen als normal…. 

 

Hier noch ein paar schöne Bilder von Phnom Penh (damit kein falscher Eindruck entsteht ;-))