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Wieder einmal ein Nachtbus – diesmal aber die Luxusvariante – hat mich sicher von Sucre nach La Paz gebracht, das aufgrund des Feiertags-Wochenendes gar nicht so chaotisch wie sonst wohl war (außer um den Hauptfriedhof herum). Da La Paz weder schön noch ungefährlich ist, bin ich hier nur 2 Tage geblieben, was für mich auch vollkommen gereicht hat. Die „Death Road“, eine berühmte Fahrradstrecke in der Nähe wollte ich nicht machen, sondern einfach nur mit der guten österreichischen Doppelmayr-Seilbahn nach El Alto fahren, um den schönen Blick in den Kessel zu werfen.

Wer sonntags gerne mal den Weltspiegel anschaut, hat vielleicht auch den Bericht von dieser 2014 eröffneten Seilbahn – El Teleférico – gesehen, die als öffentliches Verkehrsmittel das Zentrum von La Paz mit dem armen Stadtteil El Alto oben auf dem Berg verbindet. Mich hat das damals schon fasziniert und ich wollte sie unbedingt sehen und damit fahren. Kostenpunkt: 3 Bolivianos pro Fahrt, derzeit etwa 40 Cent, ein Schnäppchen also. Meiner Meinung nach eine super Sache – bisher wurden 3 verschiedene Linien bereits eröffnet und bis 2019 sind noch weitere 6 Linien geplant, an denen fleissig gebaut wird. Eine echte Alternative zu den stinkenden Kleinbussen, die sich den Berg hoch quälen, die Straßen verstopfen und dabei noch viel länger brauchen.

Hier auch noch ein Artikel dazu:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/bolivien-la-paz-bekommt-rekord-seilbahn-a-1044761.html

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Oben angekommen hat man dann diesen Ausblick:

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Eine Walking Tour habe ich in La Paz auch gemacht und viele interessante Sachen erfahren… Zum Beispiel wieso man an vielen Marktständen Lama-Föten wie diese kaufen kann (ja, es sind wirklich echte tote Tiere, aber wenn man dem Guide glauben kann werden sie nicht extra getötet, sondern Lamas haben sehr oft 3-4 Föten im Bauch, von denen sie nur einen lebensfähig austragen können und manche Lamababies sterben einfach wenn sie klein sind):

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Der Grund ist, dass bei jedem Hausbau nach dem indigenen Glauben ein Opfer für „Pachamama“ (Mutter Erde) erbracht werden muss und auch wenn man selbst nicht daran glaubt, wird man kaum einen Bauarbeiter finden, der ohne diese Opfergabe seine Arbeit aufnehmen wird, weil das ein schlechtes Omen wäre. Je größer das Haus, desto größer soll übrigens auch die Opfergabe sein – eine böse Geschichte zu dem Thema ist, dass beim Abriss eines Hauses zwei menschliche Skelette gefunden wurden…man munkelt, dass Obdachlose oder jemand, der zuviel getrunken hatte, beim Bau als Opfer gedient haben – Merke: betrinke dich nicht bis zur Besinnungslosigkeit in Bolivien, wer weiß wo du sonst endest!!!

Übrigens opfert man in Bolivien auch den ersten Schluck Wein für Pachamama, indem man ihn auf die Erde schüttet, bevor man selbst trinkt und man kann auch mit entsprechenden Opfergaben um alles mögliche bitten – auf dem Hexenmarkt in La Paz wird das entsprechende Zubehör dafür verkauft. Hier zum Beispiel eine Opfergabe, die verbrannt wird für eine schöne Arbeit im Büro oder eine gute Ernte.

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Wir haben auch das berühmt-berüchtigte Gefängnis San Pedro von außen gesehen (Bilder waren leider nicht erlaubt, da kam gleich ein bewaffneter Mann an)… hier leben etwa 1500 Insassen auf engstem Raum ohne Wächter wie in einem eigenen Dorf, es gibt alles dort zu kaufen was benötigt wird oder es wird dort hergestellt. Seine Zelle muss man sich selbst anmieten und bezahlen, kann dafür aber wählen, wie luxuriös man leben will oder kann …von aufeinandergepfercht in Drecklöchern für das Fußvolk bis hin zur Luxussuite mit Jacuzzi, Kabelfernsehen, Internet usw. für die Drogenbosse. Die Familien der Insassen dürfen auch dort wohnen, das wird dann als fortschrittlich und integrativ verkauft. Gerüchten zufolge soll in dem Knast das beste und reinste Kokain überhaupt hergestellt und verkauft werden – kein Wunder, da die meisten Insassen aufgrund Drogendelikt einsitzen…

Noch eine weitere Besonderheit: der Regierungssitz Boliviens ist ja in La Paz… und hier  an diesem Regierungsgebäude gehen die Uhren anders – also quasi genauso wie in Bayern ;-).

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Hier noch eine Hommage an die Zebras, von denen ich in meinem Artikel über Sucre geschrieben hatte ;-)

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Was ich mir dagegen gespart habe, war das „Cholitas Wrestling“

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…wen es interessiert….es gibt einige Youtube-Videos dazu ;-). Grundsätzlich ist das amerikanische Wrestling allerdings auch sehr populär in Bolivien, in sehr vielen Geschäften schauen die Inhaber die Kämpfe an, während sie auf Kunden warten.

https://www.youtube.com/watch?v=38mAziF9ftY

Neben der typischen Speise, die ich schon in Sucre gegessen hatte, gibt es zu Allerseelen auch noch die folgenden menschlichen Gebäckstücke zu kaufen, um der Toten zu gedenken:

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Zum Schluß noch ein paar Eindrücke von La Paz (das Geruchskino hierzu kann ich leider nicht hochladen, aber stellt euch in manchen Straßen einfach eine ganz schreckliche Mischung vor)

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Und zum Schluß noch ein wichtiger Hinweis für alle ;-)

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